Der Pfad der Tränen

Läuterung – Erkennen, was wir angerichtet haben

Buddha Statue

Vielleicht wähnen wir uns als Gesellschaft mit unserem Fortschritt und unserer materiellen Wachstumsgläubigkeit immer noch als „Hochkultur“ oder als „Krone der Schöpfung„.

Mit vereinzelten oder kollektiven Greueltaten in allen möglichen Ausprägungen haben wir natürlich jeweils nichts zu tun, das haben immer „die Anderen“ getan und zu verantworten …

Ist das wirklich so?

Charles Eisenstein hat in seinem Buch „Die Renaissance der Menschheit“ unter der Überschrift Abgesang und Erlösung Ereignisse und Fakten aus der Vergangenheit und Gegenwart veröffentlicht, die jeden lesenden und fühlenden Menschen still werden lassen. Weil spätestens hier unser Intellekt „versteht“, dass wir gar nichts auf „die Anderen“ schieben können. Es gibt kein Getrenntsein, sondern eine Verbundenheit mit allem, aus der wir für alles mit verantwortlich sind – eben auch für die Greueltaten unserer Spezies.

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Durch das Tal der Tränen – Unheilsames in Heilsames wandeln

Charles Eisenstein - Die Renaissance der Menschheit

Charles Eisenstein hat sein Buch als Online-Lese-Version den Menschen zum Geschenk gemacht, auch weil er sich für eine Schenkkultur engagiert und weil er eine besondere Einstellung zum geistigen Eigentum kultiviert hat.

Folgende Auszüge aus Abgesang und Erlösung, aus dem letzten Kapitel (VIII, Selbst und Kosmos) beschreiben den Pfad der Tränen durch das Tal der Tränen, den die Menschheit in der Vergangenheit beschritten hat und in der Gegenwart weiter beschreitet:

Was ist mit den Opfern? Was sollen wir den Männern, Frauen und Kindern sagen, deren Leben im Zuge des „Aufstiegs“ ruiniert worden sind? … Was ist mit den in Wüsten verwandelten Wäldern? Den Eingeborenenkindern, die von weißen Siedlern zum Spaß erschossen worden sind? Den als Hexen gefolterten und lebend verbrannten Kräuterfrauen? Den heutigen Schulkindern, die beschwatzt, gezwungen und medizinisch behandelt werden, damit sie ihre unwiederbringliche Kinderzeit hinter einem Pult verbringen, in einem Raum, in Reih und Glied stehend? … Vergewaltigten Frauen, deren Männer gequält und getötet wurden und deren Kinder den Soldaten dabei zusehen mussten?

Was sagen wir zu den Konzentrationslagern, Auschwitz, dem Gulag, der unsagbaren Bedrängnis der Männer, die zum drohenden Tod durch harte Arbeit verurteilt worden sind? Was sagen wir den Opfern kommunistischer Verfolgung und den Familien, denen man eine Rechnung für die Hinrichtung geschickt hat? Was ist mit dem geschlagenen und getöteten Schwarzen, dessen Mutter man eine Bildpostkarte vom Ereignis geschickt hat? Was sagen wir zu den hungernden Kindern, die schon nichts mehr spüren und deren Körper verfallen? Und was zu ihren Müttern? Was ist mit den Kindern, die in Spielzeugfabriken, Teppichfabriken und Schokoladenfabriken arbeiten? Den zahllosen Fließbandarbeitern, deren Kreativität auf ein paar Routinebewegungen reduziert worden ist, die sinnentleerten Konsumkrempel, der eher früher als später auf der Deponie landet, aus giftigen Materialien herstellen? Zu Verrat auf Verrat an den Indianern, massakriert, ums Land betrogen, Glaube illegalisiert, gezielt kulturell vernichtet? Den Krebsopfern einer vergifteten Welt? Den Sklaven, die vor langer Zeit die Pyramiden errichteten? Vergleiche ein Leben des Steineschleppens mit dem Leben eines Jäger-Sammlers und der Handel, den wir abgeschlossen haben, wird klar. In diesem ersten Denkmal für die Maschine werden Torheit und Schrecken unseres Aufstiegs deutlich: wir tauschen unser Leben für Arbeit zur Errichtung eines nutzlosen Gebäudes ein.

Kein wahrer Friede mit der Welt kann erreicht werden, wenn wir die Fakten ignorieren. … Wir müssen uns völlig klar darüber sein, was unsere Zivilisation getan hat. … Der Preis der Getrenntheit war kein anderer und konnte auch kein anderer sein als das größtmögliche, extremste Übel.

Dass die Wiedervereinigung, die Wiedergeburt auf höherer Bewusstseinsebene, von der ich gesprochen habe, nur durch das Auflösen und Integrieren unseres uralten Trennungskurses erreicht werden kann, ist keine Rechtfertigung für dessen Übel – nicht mehr als die Reue eines Kriminellen oder die Vergebung eines Opfers Verbrechen rechtfertigt. Dennoch lässt sich das Leid der Opfer der Getrenntheit auch anders verstehen.

Vor einigen Jahren ist mein Bekannter gezwungen worden, eine herrliche Klettenpflanze, die an seinem Haus wuchs, auszureißen. Er ist schon einmal gebeten worden, sie auszugraben, doch in einer halbherzigen Vortäuschung, Folge zu leisten, schnitt er nur die Blätter ab und ließ die Wurzel intakt. Diesmal beaufsichtigte ihn seine Frau um sicherzustellen, dass er es richtig machte und die Pflanze samt Wurzel ausgrub. Dabei war die ganze Zeit sein Herz schwer, doch die Angst vor dem Zorn seiner Frau genügte, seinen Widerwillen zu überwinden, statt für seine Einstellung einzustehen. An diesem Tag hat sich etwas geändert; er meinte: „Unsere Ehe hat viele Angriffe überstanden, weil sie stark und tief verwurzelt war; das ist nun vorbei.“ Die Pflanze wuchs weiterhin. Sie wollte dort wachsen, aber der Mann zwang der Natur einen Willen auf, der nicht einmal sein eigener war. Er kontrollierte die Natur. Das Schicksal dieser Klette, der Prozess, durch den sie zerstört wurde, ist im Grunde kein bisschen von den schlimmsten, extremsten Öko- und Genoziden verschieden. Bei beiden gibt es eine vermeintliche Notwendigkeit, eine Angst, die unsere Güte überwältigt und eine Zerstörung der Unschuld. Später, nachdem die Ehe eine stürmische Zeit durchlaufen hatte, ging ihm auf, dass ihn die Klette etwas wichtiges gelehrt hatte, das nur ihre Selbstopferung bewirken konnte: eine Lektion über Grenzen, Integrität, Kommunikation und Wandel, und er hatte das klare Gefühl, dass die Pflanze willentlich dort gewachsen war, um ihn das zu lehren.

Donna Gates, die Frau, die das Körperökologie-Programm zur Heilung von Autismus entwickelt hat, erzählte mir einmal, dass sie einen gemeinsamen Faktor bei den Haushalten autistischer Kindern bemerkt hat. Jenseits der unmittelbaren Faktoren Impfstoffe, Quecksilber, Antibiotika und anderer Störungen der Körperökologie gibt es eine tiefere Ursache für Autismus – eine Bestimmung, keinen Grund. Sie glaubt, dass diese Kinder in diesen Umständen geboren werden wollten, um ihren Eltern und Familien ein großes Geschenk zu machen. Natürlich sehen nur wenige Eltern Autismus als Geschenk; ein autistisches Kind ist wie ein Baby, das permanent intensiver Pflege bedarf und niemals erwachsen wird. In vielen Fällen wird ein normales Leben unmöglich, da die Belange des Kinds die ganze Freizeit aufbrauchen. Lebensziele weichen den Anforderungen der Pflege eines anderen Wesens ohne einen Gedanken an Belohnung.

Lies den letzten Satz noch einmal. Ist das nicht das Rezept für Freude, das die Heiligen uns immer wieder gegeben haben? Vielleicht sind diese Kinder edle Geister, die ihre Inkarnation als ein Mittel nutzen, uns zu helfen zu verstehen, was wichtig im Leben ist. Donna ist aufgefallen, dass Autismus unverhältnismäßig oft in Haushalten auftritt, wo das Leben ansonsten reibungslos vonstatten ging, in denen andernfalls die Belanglosigkeit moderner Zielsetzungen und Prioritäten niemals deutlich geworden wäre – jedenfalls nicht, bevor Zeit und Jugend verschwendet gewesen wären. Viele autistische und sonstige „geistig zurückgebliebene“ Kinder besitzen eine unleugbare spirituelle Qualität; der Ausdruck „besonders“ ist nicht bloß ein Euphemismus. Wenn sie vom Autismus geheilt sind, bleibt diese Qualität erhalten. Sie sind oft bemerkenswert selbstlos, zufrieden, mitfühlend, liebevoll und emotional erwachsen. Es stimmt, in gewisser Weise sind sie die unschuldigen Opfer moderner Geburtspraktiken, medizinischer Routinen, Umweltverschmutzung und Unkenntnis in Ernährungsfragen, aber aus höherer Perspektive erfüllen sie eine noble Bestimmung bei der Heilung unserer Gesellschaft.

Wir sehen Unglück oft als eine Art Bestrafung für frühere Vergehen, ein Thema, das die Religionen in Ost und West durchzieht. Im Osten ist es die Vorstellung, dass heutiges Leid für schlechtes Karma steht, das durch frühere Missetaten erzeugt worden ist. Im Westen haben wir das Bild eines Gottes, der die Städte Sodom und Gomorrah für ihre Sünden zerschmettert und Niniveh seiner „Verruchtheit“ wegen bedroht. Jedoch verlangt die offensichtliche Tatsache, dass meistens die Unschuldigen das größte Leid ertragen müssen, alle Arten theologischer Verrenkungen: von früheren Leben bis zur Ursünde; von späterer Wiedergeburt bis zu Himmel und Hölle. Wie soll man sonst erklären, dass süße, unschuldige Babys auf Kinderkrebsstationen liegen? Wenn wir nicht blinden, mitleidlosen, zweckfreien Zufall dafür verantwortlich machen wollen, brauchen wir eine andere Erklärung für unsere unschuldigen Opfer. Vielleicht sind sie einfach große Seelen, die den enormen Bedarf an unschuldigen Opfern decken, den unsere Zivilisation erzeugt. „Ich werde gehen“, sagen sie. „Ich bin groß genug für diese Erfahrung.“

Die Antwort, die ich anbiete, lautet, dass all die Völker, Kulturen, Spezies und Ökosysteme, die wir zerstört haben, gemeinsam eine Medizin für die große Zivilisationskrankheit namens Trennung darstellen. Die Zerstörung alles Schönen liegt in der Natur der Krankheit: die Wirklichkeit in einen Datensatz und das Leben in Geld zu verwandeln, mit all der Gewalt, die solch ein reduziertes Leben mit sich bringt. Für den Prozess der Trennung und schließlichen Wiedervereinigung auf höherer Ebene sind selbstlose Wesen, die bereits in nicht-Getrenntheit leben, strukturell notwendig. Sie haben wie die Klette und das autistische Kind eine noble und großmütige Rolle übernommen. Die von uns ausgerotteten Kulturen, Spezies und Personen haben uns eine Lehre erteilt und ein Medikament verabreicht.

Die von uns zerstörten Kulturen sind nicht spurlos verschwunden. Alles, was wir zerstören, hinterläßt seine Spur in unserem Geist, sowohl auf persönlicher als auch kultureller Ebene; es wird zu einer künftigen Medizin, sobald es als bewusste Erfahrung wahrgenommen wird. Bitte missversteh das nicht: Ich möchte nicht die Täter rechtfertigen, nur weil die Opfer Freiwillige waren. Auch will ich nicht das Ausmaß der Verbrechen und Tragödien kleinreden. Trotzdem war das Opfer nicht umsonst.

Weil alle Gewaltakte ihre Spur beim Täter hinterlassen, wird dieser schließlich in gleichem Maß Gewalt erleiden, wie er sie ausgeteilt hat. Vielleicht hat Jesus deshalb im Angesicht seiner Peiniger gesagt: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Er wusste, was ihnen bevorstand: ungeheure Gewissensbisse, die sie durchlaufen mussten, bevor sie Frieden fanden. Jesus sah, dass sie das, was sie ihm antaten, sich selbst antaten.

Enorme Kraft muss aufgewendet werden, um einen Menschen zum Killer zu machen, jemand, der Wälder abholzen, Land in Stücke reißen oder unschuldige Menschen töten kann. Zu tun, was wir tun, verlangt, dass wir vom natürlichen Geburtszustand der Ganzheitlichkeit, Verzauberung, Verbundenheit und Lebensfreundlichkeit getrennt werden. Um die abscheuliche Gewalt unserer Kultur auszuüben – selbst in ihrer stummen, indirekten Form des Konsumerismus – müssen wir zuerst selbst verstümmelt worden sein. Wir Täter sind das Endprodukt einer geisttötenden Maschine, an der seit Jahrtausenden gefeilt wird und die uns bis fast zur Unkenntlichkeit misshandelt und verletzt hat. Unsere Heilung geschieht durch unsere Opfer, so wie die Heilung meines Freundes es erforderte, dass er die Klette zerstörte und betrauerte.

Unsere Getrenntheit, unsere ruinierte Ganzheitlichkeit, unser Zustand der Gefallenheit führt unausweichlich zu Akten der Gewalt. Gewalt ist ein Synonym für verwundeten Geist. Und die Medizin gegen diese Krankheit besteht exakt in den Folgen dieser Gewalt. Der Vorgang des Anerkennens und Betrauerns unserer Taten ist Heilung. Etwas muss das an die Oberfläche bringen – und etwas wird das schließlich erreichen.

„… Die Wahrheit kommt nun ans Licht, da wir zugeben, was wir unserem Planeten, seinen Kulturen und seinen Völkern angetan haben. Dies ist ein weiteres Zeichen, dass das Zeitalter der Wiedervereinigung nahe ist. Ja, weite Teile unserer Gesellschaft leugnen noch immer und ziehen es vor, gezeichnet von Wunden zu leben, die sie der Welt zugefügt haben; sie wissen nicht, dass Welt und Selbst, Ich und Du, nicht zu trennen sind und dass keine noch so strenge Kontrolle die Konsequenzen aufhalten kann, die den Täter heimsuchen. Das Leugnen kann nicht ewig anhalten. Der andauernde Schmerz schwärender Wunden, die nicht für immer versteckt werden können, wird schließlich die Wahrheit unübersehbar und unleugbar machen.

All die Leben, all die Schönheit, die vernichtet wurden – niedergemetzelt, untergepflügt, ausgelöscht, vergewaltigt, eingesperrt und versklavt – haben der Welt ein großartiges Geschenk gegeben. Manchmal sinne ich über den Pfad der Tränen nach, der nicht nach den Tränen der Cherokee benannt worden ist (denn da waren keine), sondern nach den Tränen der weißen Zuschauer, die sich versammelt hatten, um ihren aufrechten, ungebrochenen Vorbeimarsch zu sehen. Dieses Bild hat sich unauslöschlich in die nationale Psyche eingebrannt und wird uns niemals ruhen lassen, bis wir unsere eigene Getrenntheit geheilt haben, die von unserer verhärteten Seele gedämpft wird, welche uns die Verübung eines solchen Verbrechens ermöglicht hat. Nationen und Kulturen, nicht nur Individuen, spüren die selbst zugefügten Wunden ihrer kollektiven Verbrechen. Karma ist nicht bloß ein individuelles Phänomen. Nationale Erlösung wird eintreten, wenn wir der Hässlichkeit unserer Geschichte ins Auge blicken und das Spiegelbild des Schmerzes eines jeden geschlagenen Sklaven, jedes gelynchten Mannes, jedes gedemütigten Kindes fühlen. Auf die eine oder andere Weise müssen wir um all das weinen.

Das Leid der Opfer der Getrenntheit ist niemals vergeblich. Aus der Trennung erwächst Gewalt, die dann in den Seelen der Täter nachhallt, um die Saat der Heilung von Getrenntheit zu bilden.

Ich hoffe, dies ist für all jene ein wenig Trost, die zu den Opfern zählen – und das sind wir alle; wir sind alle sowohl Opfer als auch Täter. Für gewöhnlich ist die irgendwann eintretende Heilung für uns unsichtbar; Teil des Leids ist tatsächlich deren offenkundige Sinnlosigkeit. Auch die Opfer erfahren eine völlige Entfremdung, eine zum Leid gehörende Einsamkeit. Das Bild von Christus am Kreuz kommt mir in den Sinn: „Vater, warum hast du mich verlassen?“ In dieser archetypischen Geschichte erfährt der Erlöser die selbe extreme Trennung von Gott – das heißt Trennung von allem, was wir sind und sein könnten – die auch seine Peiniger antrieb. Glaub nicht, dass der Mammutbaum, die Klette, der Ermordete, Versklavte, Zerstörte, ohne Todesschmerz geht. Unterschätzen wir nicht das Leid dieser Welt. Jeder von ihnen gibt das höchste Opfer, damit wir wieder ganz werden. Und du, lieber Leser, bist keine Ausnahme. Liebe und verehre dich selbst als edles Geschöpf, das mit heiliger Bestimmung in dieses Tal der Tränen geboren wurde. Keine deiner Wunden war vergeblich.

Auf die eine oder andere Weise müssen wir um all das weinen. Was für die Verbrechen der Menschheit, der Nationen und Kulturen gilt, gilt auch für den Einzelnen. Selbst wenn wir unseren Adel anerkennen und uns sanft unseren Wunden zuwenden, so müssen wir auch die Gewalt, Entstellung und Zerstörung des Anderen beweinen, die unserer Getrenntheit entsprungen ist, wenn wir jemals ganz werden sollen. Der Pfad des Boddhisatva, das heißt im Samsara (Anm.: Sanskrit, aus der Lehre des Buddha – Bezeichnung für den immerwährenden Zyklus des Seins, den Kreislauf von Werden und Vergehen und den Kreislauf der Wiedergeburten) zu verbleiben, bis alle Wesen frei sind, ist mehr als ein nobles
Opfer. Es ist eine biologische Notwendigkeit.

Die volle Integration des Schmerzes eines Lebens in Getrenntheit ist es, was uns wieder zurück zur Ganzheitlichkeit treibt. Auf die eine oder andere Weise wird der Schmerz gefühlt werden. Wir können entweder wie ein Süchtiger, der beschließt, unter allen Umständen seinen Schuss zu bekommen, darauf warten, dass er zu uns kommt; oder wir stellen uns ihm. Falls wir die Zwecklosigkeit von Kontrolle sehen, die Zwecklosigkeit ständigen Aufschiebens der Konsequenzen, werden wir vielleicht den Mut haben, ihm ins Gesicht zu schauen. Man sagt, dass kein Süchtiger wahrhaft Genesung erfährt, bevor er ganz unten angekommen ist. Es ist jedoch gleichermaßen wahr, dass „unten“ je nach Person woanders ist. An einem gewissen Punkt trifft der Süchtige die Entscheidung, nicht mehr dem Schmerz seines zertrümmerten Lebens, seiner zugrunde gerichteten Familie, seines kranken Körpers oder seiner ruinierten Karriere auszuweichen. Er fühlt die angehäufte Agonie, beweint das Verlorene und versucht, es wieder gut zu machen. Manchmal gelingt das, bevor alles verloren ist, bevor alle Freundschaft, aller Wohlstand, alle Gesundheit in Geld für den Schuss umgewandelt worden sind. Uns Menschen wird es vielleicht auch gelingen zu beginnen, Wiedergutmachung an eine Welt zu leisten, die wir ruinieren… bevor alles Schöne, alles Gute, aller Wohlstand, alles Leben aufgebraucht ist.

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