Der Spass und die Freude

Der unselige Spass auf Kosten anderer

Klartext von Bruno Würtenberger

Schlüpfrige Sprüche, anzügliche Witze und verletzende Bemerkungen im Kollegenkreis oder unter Bekannten. Arglose Menschen aushorchen und denunzieren, Vertrauen missbrauchen, um vermeintliche Vorteile zu erlangen. Bei der Arbeit zugewiesenen, anvertrauten Klienten oder Kunden eine Falle stellen und sich am Gelingen oder deren Schwäche ergötzen. – Das alles kann „Spass machen“ und erzeugt eine Spasskultur auf Kosten anderer, weil wenigstens ein Mensch nicht darüber oder mit lachen kann.

Solch fabrizierter Spass mag jenen Spassmachern für ein paar Sekunden Erheiterung bescheren, aber was bleibt, ist eine schwarze Wolke in düsterer Atmosphäre. Das einzige, was man dort anscheinend respektiert, ist die Gemeinschaft jener Menschen, die in dem Versuch, ihre Vergänglichkeit und Freudlosigkeit zu bekampfen, immer mehr von solcherlei Spass auf Kosten anderer erzeugen müssen. – Dies hat Chögyam Trungpa in Weltliche Erleuchtung als „Sonnenuntergangswelt“ mit zweifellos voreingenommen beschrieben. „Weil es hierüber nichts Positives zu sagen gäbe, es aber als Hilfe diene, Schwarz und Weiß klar und deutlich zu erkennen.

Moralisch bewertet ist das ein Armutszeugnis für solche Spassmacher, tiefenpsychologisch und sozialpsychologisch betrachtet ist das ein Hinweis auf Gestörtheit eines Menschen und von Menschengruppen. Es erscheint uns dennoch „menschlich„, weil es im Zusammenleben halt überall und dauernd geschieht. Es zeigt das Fehlen von Empathie und Achtsamkeit, das Fehlen von Anerkenntnis der Würde, die jedem Menschen gehört und zugestanden werden muss.

    Jesus sagt, dass die Sucht nach Spaß Gottes Wirken in unserem Leben ersticken wird … Diese Sucht kommt aus dem unstillbaren Hunger einer leeren Seele nach Freude.“ – soulsaver

Der Spass aus dem Herzen

Spass entsteht auch in reiner, unschuldiger Form, wenn alle Beteiligten von Herzen lachen können. Dann hat Spass gar eine verbindende, eine erleichternde Funktion – bei all dem Leid, das Menschen täglich mehr oder weniger bewusst sehen und vielleicht auch selbst erleben.

Aus der Lehre des Buddha ist Spass eine Reaktion auf etwas, das in der äußeren Welt durch Sinneskontakte entsteht und stattfindet, also aufgrund von bestimmten Bedingungen. Jede Form von Spass, reiner Spass und Spass auf Kosten anderer, erzeugt – ohne moralische Bewertung – Leid und Leiden. Weil Spass eben nur grobes Augenblicksvergnügen ist, das Menschen immer wieder erleben und haben wollen (eine Form des Dukkha).

Das Leben und die Freude

Die wohl objektiv negativ zu bewertende Spasskultur mit dem Spass auf Kosten anderer Menschen zeugt vielleicht auch von (zeitweise) fehlender Lebensfreude bei jenen Spassmachern. Denn

    „Freude ist ein Ausdruck unendlicher Dankbarkeit, einer Dankbarkeit am Sein, die Leichtigkeit des Lebens zu erfahren.“
    Bruno Würtenberger – „Die unglaubliche Leichtigkeit des Seins“ –
    Magazin VISIONEN, Ausgabe Februar 2014, Seite 36 – 37

Leben und Freude können als Lebensfreude in einer Symbiose erlebt werden, die jedem Menschen inne wohnt. Die Freude muss keineswegs durch den oberflächlichen und von außen kommenden Spass ersetzt werden. Das Leben kann viel einfacher tief erlebt werden. Um der Freude Raum zu geben, müssen wir keine Kopie des Lebens in Konzepten, Ideen und Vorstellungen anfertigen. Wir dürfen einfach dem Sein vertrauen und uns dem Leben hingeben. So können wir die Herzensqualität der Freude mit Unterstützung durch Achtsamkeit, Empathie, Intuition und Liebe entwickeln und entfalten.

Einfach nur Sein aus tiefem Herzen

Lebensfreude, Lebendigkeit und Dankbarkeit für das Einfach-nur-Sein geben einer Spasskultur mit Spass auf Kosten anderer Menschen keine Nahrung. Wer sich der Erkenntnis, dass alle fühlenden Wesen miteinander verbunden sind, aus tiefem Herzen hingibt, wird Mitgefühl, Mitfreude, Gleichmut und bedingungslose Liebe in sich üben und kultivieren.

Nach Bruno Würtenberger dürfen wir dem Leben vertrauen, dass wir es nicht uns passend machen müssen, wir haben ja auch gar keinen Überblick und vor allem keinerlei Kontrolle darüber. Stattdessen dürfen wir auch die Furcht lassen, die uns von der Leichtigkeit des Seins abhält – und zu manchem unnötigen und verletzenden Spass treibt.

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