Die Natur des Heilwerdens

Akzeptanz – Offenheit – Erbarmen – Weisheit

Chögyam Trungpa - Weltliche Erleuchtung

Krankheit in der Manifestation einer Erkältung, eines Tumors, von Schmerz auf körperlicher Ebene oder in Form einer psychischen, seelischen, geistigen Erkrankung gibt uns Hinweise, dass wir uns kümmern sollten.

Eine manchmal sehr direkte Aufforderung, in unserem Geist eine Haltung der Achtsamkeit zu entwickeln. – Ohne hier „Krankheit“ und „Gesundheit“ zu definieren, wenn wir krank sind, wollen wir schließlich geheilt, wieder gesund werden …

    Wenn Sie sich auf die Suche machen, haben Sie Fragen und Zweifel – das ist gut so. Aber die Lösung Ihrer Probleme, der Ausweg aus Ihren Zweifeln ist das Nicht-Greifen, und das ist Nicht-Suchen.“ – Chögyam Trungpa, „Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit

Denn einer Krankheit, wie lapidar sie vielleicht zum Beispiel in Form einer Erkältung auch erscheinen mag, geht immer mit mehr oder weniger stark ausgeprägter Furcht vor dem Unbekannten und zumindest der Ahnung der eigenen Vergänglichkeit einher. Wir wenden uns bei einer Krankheit dann an Personen, die uns heilen oder uns zumindest unterstützen sollen, Heilung erfahren zu können. – Unter Heilung verstehen wir operative Eingriffe, den Einsatz von Medikamenten und andere Methoden und Möglichkeiten, bis hin zum Handauflegen.

Chögyam Trungpa – Haltung zum Heilwerden

Für den buddhistischen Mönch, Lehrer, Künstler und Visionär Chögyam Trungpa, (Trungpa Rinpoche, 1939 – 1987) war das Wichtigste, dass jede wirkliche Heilung eine Art psychischer Offenheit entspringen muss. Er sah Heilung eher als geistige Haltung zum Heilwerden und wieder Einswerden, als dass wir durch äußere Kräfte geheilt werden. Für Chögyam Trungpa war Offenheit der einzige Schlüssel zum Heilen und zum Heilwerden.

Heilen von Geist zu Geist Magazin VISIONEN (03-2014)

Eine heilende Beziehung eingehen

Eine Erkrankung zwingt uns, sofort achtsam zu sein. Nachdem wir vielleicht alle vorherigen Anzeichen, dass in unserer Geist-Körper-Ebene etwas nicht mehr stimmt, ignoriert hatten. Wenn es spätestens dann gelingt, die Botschaften von Körper und Geist wahrzunehmen, können wir als Patient in eine heilende Beziehung zu einem Heiler (Arzt, Therapeut) gehen. Eine solche heilende Beziehung zwischen Patient und Heiler ist auch eine Begegnung von Geist zu Geist, die auch zwischen Schüler und spirituellem Lehrer stattfinden kann.

Sind beide, Patient und Heiler offen für einen ungezwungenen Dialog, kommunizieren sie in ihrer Natürlichkeit. Für Momente ist der Heiler im Sein des Patienten, als sei er selbst krank. Der Patient wird sich für Momente in seiner Existenz anerkannt und in seiner Krankheit angenommen fühlen. Durch diese Momente des Verbundenseins von Heiler und Patient, in denen beide auf vollständige Weise kommuniziert und einen kurzen Blick auf den gemeinsamen Grund geworfen haben, kann der psychische Unterbau der Krankheit gelockert und schließlich aufgelöst werden.

Akzeptanz und Offenheit

Eine Atmosphäre der Akzeptanz zwischen Heiler und Patient ist Grundbedingung einer Behandlung des Heilwerdens, sie geht über das hinaus, was wir vielleicht allgemein als Behandlung kennen. Eine Atmosphäre der Akzeptanz ist im Grunde eine sehr einfache Sache und sehr wirkungsvoll, und sie ist Voraussetzung für eine offene Kommunikation.

Wenn sich Heiler und Lehrer auf ihre Patienten und Schüler einlassen, Interesse für das jeweilige Leiden und die Konflikte haben, so wird mit der Offenheit ein Gefühl von Vertrauen und Verständnis entwickelt und kultiviert. Im Buddhismus spricht man von geschickter Kommunikation und von geschickten Mitteln, die hier über die Offenheit zum Erbarmen führen. In den Beziehungen von Heiler und Lehrer zu ihren Patienten und Schülern gibt es im Grunde nichts zu erlernen, weil Offenheit und Erbarmen im Heiler und Lehrer, in jedem Menschen angelegt sind.

Chögyam Trungpa nannte dies „Einklinken“ in eine Aufmerksamkeit des Erbarmens durch den Heiler oder Lehrer für die Patienten oder Schüler, und zwar absichtslos, ohne ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen. Absichtslos deshalb, um das Geschehen nicht zu manipulieren, weil es sonst nicht zu umfassender Heilung, zur Lösung eines Konfliktes kommen kann.

Die Essenz des Menschen zum Heilen

Durch die Atmosphäre der Akzeptanz und die Offenheit in der Kommunikation zeigt sich nach buddhistischem Verständnis die Essenz des Menschen in Erbarmen und Weisheit. So müssen der Heiler oder der Lehrer das jeweilige Problem des Patienten oder Schülers nicht umfänglich lösen. Es geht vielmehr darum, dass die grundlegende Angst, die grundlegenden Zweifel durch den Patienten oder Schüler selbst erkannt werden, um die weitere Behandlung oder Klärung sehr viel leichter fortsetzen zu können. – Die vollständige Lösung durch den Heiler oder Lehrer kann ansonsten dazu führen, etwas schnell reparieren zu wollen, wodurch leicht eine Spirale von Behandlungen und Enttäuschungen in Gang gesetzt werden kann.

Für Chögyam Trungpa lag dieser Sicht des Heilens und Heilwerdens die einfache Erfahrung zu Grunde, dass Heiler und Lehrer ihre, jedem Menschen innewohnende Weisheit und Erbarmen erkennen, nutzen und in ihrer täglichen Arbeit mithilfe von Offenheit und Gewahrsein entwickeln können.

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