Edle Freundschaft

Die Sache mit der Freundschaft

Freundschaft

In dem börsennotierten Gesichtsbuch im Internet haben viele Menschen -zig bis hunderte, einige gar tausende Freundinnen und Freunde. Außerhalb des Internet ist die Anzahl von Freundinnen und Freunden normaler Weise doch deutlich geringer.

Zur Definition, was eigentlich Freundschaft ist, gibt es viele Ansichten und Erklärungen.

(Nachfolgend schreibe ich nur noch vom Freund, womit dann auch immer eine Freundin gemeint sein soll.)

Es gibt tiefgründige Beziehungen zu anderen Menschen, und es gibt relativ lose Beziehungen aufgrund bestimmter gemeinsamer Interessen und Aufgaben (Sport, Hobbies, Arbeit), die wir ebenso als Freundschaft bezeichnen.

    Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein
    (aus „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller)

Was aber ist ein edler Freund?

In der Lehre des Buddha ist an vielen Stellen auch von Freundschaft die Rede. Dort auf den Punkt gebracht, ist ein guter Freund das ganze spirituelle Leben. Auf Pali ist es Kalyana-mitta, allgemein anerkannt übersetzt mit edler Freund. Der Pali-Kanon spricht von edler Freundschaft (kalyâna mittattâ).

    Ein edler Freund hilft uns, das, was in uns vorgeht, zu erkennen.
    (Ayya Khema)

Nach der Lehre des Buddha ist edle Freundschaft nur im Geist einer Gemeinschaft von Praktizierenden möglich. Hier wird die Definition von Freundschaft, im Gegensatz zum herkömmlich weitläufigen Begriff, doch schon sehr eng gefasst. Es ist von Menschen einer Gemeinschaft (Sangha) die Rede, die mit dem Dhamma (Sanskrit: Dharma), der Lehre des Buddha, verbunden sind.

Unsere Freundschaften untersuchen

Man sollte für sich ruhig mal innehalten und untersuchen, ob die Freundschaften, die man pflegt, dem Maßstab einer edlen Freundschaft oder wahren Freundschaft genügen können. Vielleicht ergibt sich daraus ein kleiner Anstoß, deren Tiefe und Qualität zu verbessern und die Quantität vielleicht etwas einzuschränken.

Im Grunde wissen viele Menschen ja schon einiges aus der Lehre des Buddha, weil sie den gesunden Menschenverstand repräsentiert. Im Alltag möchten wir aber nicht immer und nicht wirklich davon hören. Weil wir vielleicht annehmen, dass es den Alltag schwieriger macht, weil wir achtsam mit uns sein müssen. Es bedarf auch der rechten Anstrengung, Alltagsleben und Spiritualität auf einen Nenner zu bringen, es ist eine lebenslange Aufgabe. – Menschen, die auf dem spirituellen Pfad gehen und so unterstützen können, findet man ja nicht einfach so „an jeder Ecke“.

Deshalb ist ein edler Freund so wichtig, die wichtigste Hilfe innerhalb des geistigen Weges. Er ist unser Spiegel, Beispiel und Vorbild, er weiß und hütet unsere innersten Geheimnisse, er versteht und ermuntert uns, wo andere schon verurteilen. Er teilt und vermehrt so unsere Freude, er nimmt Teil an unserem Leid, das wir dadurch leichter annehmen und umwandeln können. Er hilft und tröstet, er mahnt und steht uns bei. Er gibt uns schließlich, was schwer zu geben ist.

Edle Freunde und noble Unterhaltung

Der Buddha hat über die fünf Hindernisse auf dem Weg zum Erkennen und Erleben der ultimativen Wahrheit gelehrt, diese sind Begierde (Verlangen), Böswilligkeit (Übelwollen), Trägheit und Lässigkeit (Beharren im Gewohnten), Unruhe und Rastlosigkeit, Skepsis (Daseinssorge). Für die Hemmnisse gibt es verschiedene „Gegenmittel“, ein gemeinsames ist der edle Freund und die noble Unterhaltung, die wir mit ihm führen können.

Noble Unterhaltung ist erbauend, lenkt den Geist nicht in die falsche Richtung zu Begierde und Ablenkung. Noble Unterhaltung richtet den Geist auf Positives und festigt so den spirituellen Weg. Aus der Praxis der Meditation wird ein edler Freund in der noblen Unterhaltung erkannt. So sollten Praktizierende auch darauf achten, mit welchen Menschen sie zusammensind, wenn es um die Praxis des Dhamma geht.

Die Crux mit der Freundschaft

„Was der Buddha über Freundschaft sagte“ – zusammengestellt von Volker Junge, veröffentlich in „Tibet und Buddhismus“ Heft 02/2009, Seite 8 und Seite 9:

Was sind nun aus Sicht des Buddha die Gefahren der Freundschaft? Falsche Freunde wollen einen nur ausnutzen oder einem schaden. Schlechte Freunde verleiten zu schädlichen Handlungen oder Verhaltensweisen. Schwache Freunde lassen einen im Stich, wenn man sie braucht. Allerweltsfreunde lenken einen durch geselliges Zusammensein von wichtigen Dingen, insbesondere dem Dharma (Pali: Dhamma) ab. Liebe Freunde lassen in einem Anhaftung entstehen, aus der weiteres Leid folgt.

Woran man einen guten Freund erkennt

Einen Mönch, der sieben Eigenschaften besitzt, den mag man sich, ihr Mönche, zum Freunde wählen. Welches sind diese sieben Eigenschaften? (1) Er gibt, was schwer zu geben ist; (2) er tut, was schwer zu tun ist; (3) er erträgt, was schwer zu ertragen ist; (4) seine Geheimnisse vertraut er einem an; (5) das Geheimzuhaltende hält er geheim; (6) er verlässt einen nicht im Unglück; (7) er verachtet einen nicht, wenn in Armut.“ – (Anguttara Nikåya VII.36 Der wahre Freund I, Übersetzung Nyånatiloka) – (Anmerkung: „Mönch“ ist im historischen Bezug zu sehen)

Bildquelle: © lichtkunst.73 / pixelio.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Buddhismus mit den Schlagworten , , , , , , , , , , , , , . Speichern des Permalink. Folgen von Kommentaren mit dem RSS feed für diesen Beitrag. Einen Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlassen: Trackback URL.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.