Eigentlich ist alles gut

Steve Taylor und die Verrückte Welt (Back to Sanity)

Steve Taylor - Verrückte Welt

Das Leben leben und erlebennicht gelebt werden von Vorstellungen, die am Mensch-Sein völlig vorbei- gehen. Indigene Völker haben das Verhalten der Menschen in den westlichen, abendländisch geprägten Gesellschaften schon immer als Wahnsinn gedeutet.

Der Psychologe Steve Taylor sieht unsere Gier nach Besitz, Erfolg und Status als (sozial-) psychologische Störung („Humanie„), die uns von einem Leben in Freude im Einklang mit den Naturgesetzen abhält.

Der Psychoanalytiker Carl G. Jung fragte 1932 einen Pueblo-Häuptling, Ochwiay Biano (Mountain Lake), nach seiner Meinung über die Eroberer, die Europäer und erhielt als Antwort:

    Die Weißen wollen immer etwas. Sie sind immer unruhig und rastlos. Wir wissen nicht, was sie wollen. Wir verstehen es nicht. Wir denken, dass sie verrückt sind.

Ochwiay Biano sprach weiter darüber, dass er nicht verstehen könne, dass die Weißen mit dem Kopf denken, er selbst würde mit dem Herzen denken. – Das liest sich und klingt doch für die meisten Menschen befremdlich, kitschig. Es lohnt sich aber, dies einmal näher zu betrachten, wie es Steve Taylor getan hat.

    Wonach suchst du? Nach Glück, Liebe, Seelenfrieden? Suche nicht am anderen Ende der Welt danach, sonst wirst du enttäuscht, verbittert und verzweifelt zurückkehren. Suche am anderen Ende deiner selbst danach, in der Tiefe des Herzens.“ – Tibetische Weiseit

Was treibt uns in Konflikte, Unterdrückung, Zerstörung und Krieg?

Steve Taylor lehrt Psychologie und Soziologie an der Leeds Metropolitan University in England. In seinem aktuellen Buch „Verrückte Welt – Zurück zu Harmonie und mentaler Gesundheit“ untersucht Taylor unsere Rastlosigkeit und Unruhe, unsere Gier nach Anhäufung von Besitz, Status und Erfolg – die offenbaren Ursachen für mannigfaltiges Elend in der Vergangenheit und Gegenwart.

Jenes mannigfaltige Elend zeigt sich individuell bei jedem einzelnen Menschen, mehr oder weniger und wurde vor nun knapp 2.600 Jahren vom Buddha erkannt: „Leben bedeutet Leiden“ – Die erste der Vier Edlen Wahrheiten. Steve Taylor bezeichnet dieses im Geist entstehende Leiden als „psychologische Zerrissenheit“, als Humanie, an die wir uns gewöhnt, in der wir uns eingerichtet haben, sodass sie uns als Ego-Verrücktheit „normal“ vorkommt.

Gesellschaftlich, sozial-psychologisch betrachtet, sieht Steve Taylor, dass wir uns kollektiv mit unserer Aufmerksamkeit nur noch auf unsere Außenwelt gerichtet haben und so unser Leben mit ständigen Ablenkungen und Aktivitäten gelebt haben und weiterhin leben. Als Gesellschaft führte und führt das in extremen Ausprägungen in die Verelendung durch Konflikte, Unterdrückung, Zerstörung und Krieg.

Die Spezies Mensch wird von den Naturgesetzen sanktioniert

Die Auswirkungen dieser Entwurzelung des Einzelnen zeichnen sich global immer dramatischer ab durch massive Umwelt- und Naturzerstörungen und das Aussterben von Arten der Flora und Fauna. Während wir Menschen, getrieben von Gier nach Zerstreuung, Ablenkung und Konsum dieses Chaos anscheinend gleichgültig betrachten und sogar verleugnen. Dabei wird das die Spezies Mensch schlicht zerstören, so sind die Naturgesetze.

    Sammle deinen Geist, dort, wo du bist, mit einem für den Augenblick geschärften Bewusstsein. Dort ist es, wo wir sind. Es gibt keinen anderen Ort als hier.“ – Drukpa Rinpoche

Die Augenblicke harmonischen Seins

Zeigt Steve Taylor im ersten Teil seines Buches noch die Verwerfungen mit ihren Ursachen auf, vermittelt er im zweiten Teil, dass die Humanie mit ihrer Zerstörungskraft in unserem Geist nicht wirklich verankert ist. Denn jeder Mensch würde wohl die „Augenblicke harmonischen Seins“ schon erlebt haben, wenn alles ruhig ist, wenn wir in der Stille sind, in der Natur, in Ruhe mit den Händen arbeiten oder nach der Meditation. In solchen Phasen fühlen wir uns mit dem Fluss des Lebens verbunden und werden für kurze Zeit, für Augenblicke geistig gesund.

Was wir in Augenblicken der Harmonie erleben, tragen wir ständig in uns. Als Problem erweist sich „nur“, dass unsere geistige Zerrissenheit den Weg zum harmonischen Sein viel zu oft und viel zu lange versperrt. Wir sind nicht in der Lage, im gegenwärtigen Augenblick zu sein und länger darin zu verweilen.

Transzendenz der Humanie kann Leben erhalten

Die Chance zum Überleben der menschlichen Spezies besteht in der Überwindung der Humanie und darin, unser krankhaftes Verhalten aufzugeben. Wir müssen keineswegs in den zerstörerischen Verhaltensmustern und Glaubenssätzen gefangen bleiben und derart weiterleben. Wir dürfen allerdings bei uns selbst anfangen, wieder Wurzeln zu unserer wahren Natur, zum Sein, zum Urgrund zu schlagen.

Dies ist auch für Steve Taylor der einzige Weg aus der Zerrissenheit, auf dem jedes Individuum andere Individuen mitnimmt. Und Steve Taylor beschreibt in seinem Buch „Verrückte Welt – Zurück zu Harmonie und mentaler Gesundheit“ hoffnungsvolle Ansätze der Überwindung der Ich-Bezogenheit, der Abnahme der sozialen Identität und zum „Anderssein“ (als der Mainstream) – in der Ökobewegung, vegetarischer Lebensweise, durch bewussten Verzicht auf unnötigen Konsum, bewussten Verzicht auf Besitz von Autos (stattdessen Car-Sharing) und bewussten Verzicht auf Reisen per Flugzeug.

Steve Taylor sieht die Überwindung der Humanie auch in zunehmender Empathie, im Teilen mit anderen Menschen und im zunehmenden Respekt für früher ausgegrenzte Minderheiten. Unter anderem durch diese positiven Ansätze habe es in Westeuropa in den letzten siebzig Jahren keine Kriege (zwischen Staaten) gegeben.

Die Samen für die Überwindung der Ego-Verrücktheit, der Abtrennung vom Mensch-Sein im Einklang mit der Natur müssen gewässert und deren Keime gehegt und gepflegt werden, damit die Wurzeln kräftig werden. So haben wir für Steve Taylor eine realistische Chance, die dunklen Jahrtausende alten Schatten der menschlichen Psyche auszuleuchten und zu überwinden, um einen neuen kollektiven Geist der Harmonie zunächst in unser individuelles Leben einzulassen.

Der Lakota-Indianer Black Elk erklärte es so:

    Der erste Friede, welcher der wichtigste ist, ist der, welcher in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verbundenheit, ihr Einssein mit dem Universum und all seinen Kräften begreifen und wissen, dass im Mittelpunkt des Universumss der Große Geist lebt und dass dieser Mittelpunkt in Wirklichkeit überall ist, in uns allen.

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