Fünf Wege zum Glück

Thich Nhat Hanh – Fünf Übungen zur Achtsamkeit

Thich Nhat Hanh - Fünf Wege zum Glück

Im Alltag sind wir achtsam und passen auf unseren Körper auf, dass er keinen Schaden erleiden möge.

Achtsamkeit nach der Lehre des Buddha geht sehr viel weiter, betrachtet unseren Geist und unser Herz auf dem spirituellen Weg.

Die Wegzehrung, der Proviant für diesen lebenslangen Weg war Thema im letzten Beitrag dieses Blogs. Dort ging es um Vertrauen, Hingabe und Dankbarkeit und das Erreichen einer Ebene des Glücks, die außerhalb der flüchtigen Glücksgefühle durch Sinneskontakte liegt.

Buddhistische Ethik

Die Lehre des Buddha enthält weitere Hinweise zur Überwindung des Leidens, die ebenso als Wegzehrung dienen können. Menschen, die sich auf den spirituellen Weg begeben wollen, haben die Wahl, wie und womit sie anfangen, was ihnen näher liegt.

So gibt es den Begriff „Buddhistische Ethik„, der im westlichen Kulturkreis geschaffen wurde, um die Lehre des Buddha Shakyamuni in Kategorien einzuteilen, damit uns der Zugang etwas leichter fallen soll.

Unter den Begriff „Buddhistische Ethik“ gehört die tiefe Einsicht, keinem fühlenden Wesen Schaden zuzufügen, weil alles miteinander verbunden ist und alles voneinander abhängt. – Grundlagen sind die Vier Edlen Wahrheiten

    1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
    2. Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
    3. Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
    4. Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.

mit dem Edlen Achtfachen Pfad

    1. rechte Einsicht / Anschauung
    2. rechte Gesinnung / Absicht
    3. rechte Rede
    4. rechtes Handeln
    5. rechter Lebenserwerb / Lebensunterhalt
    6. rechtes Streben / Üben
    7. rechte Achtsamkeit
    8. rechte Sammlung / Konzentration

Desweiteren gehören die fünf Silas (Tugendregeln) zur Ethik

    Keine Lebewesen töten oder verletzen
    Nichtgegebenes nicht nehmen
    Keine unheilsamen sexuellen Beziehungen pflegen und sich im rechten Umgang mit den Sinnen üben
    Nicht lügen oder unheilsam reden
    Sich nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein trüben

sowie zur Übung die vier noblen Tugenden, die Vier Erhabenen Verweilzustände: Universelle Liebe, Güte und Freundlichkeit (Metta), Mitgefühl (Karuna), Mitfreude (Mudita) und Gelassenheit, mentale Ausgeglichenheit (Upekkha).

Das ist eine Menge Stoff und erscheint als riesige Aufgabe, die buddhistische Ethik in sich zu verwirklichen. Allerdings müssen wir bedenken, dass der Buddha Shakyamuni immerhin viele Jahre zur Erkenntnis gebraucht hat. Im Gegensatz zu anderen Weltanschauungen sieht die Lehre des Buddha Sanktionen für „Fehlverhalten“ nicht vor. Niemand muss ins „Fegefeuer“, es gibt keine moralischen Abgrenzungen von „gut“ und „böse“ oder „richtig“ und „falsch“ sondern natürliche Folgen von Handlungen (Pali: Kamma, Sanskrit: Karma). Bei der Lehre des Buddha geht es vielmehr um die Geistesschulung und darum aufgrund höchstpersönlicher tiefer Einsicht durch Meditation, heilsames und unheilsames Verhalten zu erkennen.

Als Motivation zum Eintritt in den spirituellen Pfad oder als Wegzehrung zum Weitergehen hat der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh die fünf Silas als „Fünf Wege zum Glück“ erklärt und mit entsprechenden Übungen zur Achtsamkeit erarbeitet.

Thich Nhat Hanh ist Vertreter eines engagierten Buddhismus und bezieht aktuelle Herausforderungen der menschlichen Gesellschaften in sein Wirken als Mönch und Lehrer ein. Sein Anliegen ist es, den Menschen aufzuzeigen, wie mit der Achtsamkeit die Herausforderungen im täglichen Leben insgesamt friedvoller erkannt und gewichtet werden. Wie wir in unseren Beziehungen achtsamer kommunizieren und im Umgang mit Konsumgütern achtsamer handeln, um die Lebensgrundlagen aller fühlenden Wesen zu erhalten.

Thich Nhat Hanh hat die fünf Silas als fünf Übungen zur Achtsamkeit neu formuliert:

    Achtung vor dem Leben
    Großzügigkeit
    Sexuelle Verantwortung
    Aufmerksames Zuhören und liebevolles Sprechen
    Achtsamer Umgang mit Konsumgütern

Die Kunst des achtsamen Lebens, wie sie in den fünf Übungen zur Achtsamkeit von Thich Nhat Hanh vorgeschlagen wird, kann Menschen nicht nur persönlich auf dem spirituellen Pfad weiter geleiten. Sondern dadurch auch auf dessen Umgebung in Beziehung zu anderen Menschen wirken und Leiden überwinden helfen, indem spirituelle Wurzeln entdeckt oder wieder hergestellt werden.

Wenn wir uns die fünf Silas hier anschauen, erkennen wir sicher, wie wichtig die Achtsamkeit für unser tägliches Leben ist. Wie schnell sind Handlungen vollzogen, Worte gesagt, Dinge konsumiert, die wir bei nachgehender nährerer Betrachtung als unheilsam erkennen können. Die fünf Übungen zur Achtsamkeit sind eine Grundlage, friedlich zu kommunizieren und friedlich zusammen zu leben.

Wenn wir achtsam sind, handeln wir auch verantwortlich und müssen niemandem Rechenschaft ablegen.

Mit den Übungen zur Achtsamkeit aus den fünf Silas werden wir die wechselseitige Verbundenheit (Intersein) mit allem erkennen und uns im Laufe der Zeit dementsprechend verhalten. Mit fortschreitender Einsicht werden wir erkennen, dass das Züchten und Töten von Tieren für unseren Mittagstisch unheilsam ist. Dass die Rodung von Wäldern und die Umweltverschmutzung unsere eigenen Lebensgrundlagen und die aller fühlenden Wesen zerstört. Mit unserem Verstand können wir das sowieso nachvollziehen, wenden uns dann oft schnell anderen Gedanken zu. – Mit Geist und Herz, wenn wir Achtsamkeit üben, werden wir einsichtig über so viele unnötige unheilsame Dinge in unserem Alltag.

Schaden nimmt allenfalls unsere Spasskultur mit ihren Zerstreuungen und Ablenkungen unserer inzwischen völlig verdrehten Gesellschaft, die den Konsum von irgendwas, von unnützen Dingen auf den Götzenthron gehoben hat. Mithilfe der Achtsamkeitsübungen auf die fünf Silas gelangen wir auf Ebenen des Geistes und des Herzens, die nicht nur heilsam sind, sondern den Zustand des Glücklichseins, der tiefen inneren Freude in uns kultivieren.

So können wir schon in der direkten Kommunikation mit anderen Menschen aufmerksames Zuhören und liebevolles Sprechen üben, nicht nur mit unseren Liebsten. Unheilsame Gespräche, die an uns heran getragen werden wie Lästern und Geschwätz können wir achtsam „umleiten“ oder den Kontakt vermeiden. Denn selbst wenn wir achtsam sind, bedeutet es nicht, dass wir uns alles bieten müssen, was objektiv unheilsam ist. Auf dem spirituellen Weg sind wir keineswegs missionarisch unterwegs, wir können bestenfalls versuchen, mit gutem Beispiel zu wirken und redliches Bemühen praktizieren.

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