Gedichte

Thich Nhat Hanh – Mönch, Zen Meister und Poet

Thich Nhat Hanh - Das Wunder der Achtsamkeit

Thich Nhat Hanh, vietnamesischer Mönch, Zen Meister, Poet und Friedensaktivist, verbindet die spirituellen Wurzeln des Buddhismus mit den aktuellen brennenden Fragen westlicher Zivilisation.

Thich Nhat Hanh ist ein Lehrer mit einer sanften, ruhigen und klaren Ausstrahlung, der bei jedem Schritt seine Lehre verkörpert. Voller Wohlwollen und liebevollem Gewahrsein nimmt er Kontakt zu den Menschen auf, die seine Vorträge und Retreats besuchen. Mit einfacher Sprache findet er anschauliche Bilder, um die Inhalte zu vermitteln und die Zuhörenden im Inneren anzurühren, so dass nicht nur der Intellekt lauscht, sondern der ganze Mensch berührt wird. (Quelle des Mitgefühls)

Thich Nhat Hanh versteht es, die Lehre des Buddha einzigartig und zeitgemäß auch mittels Poesie zu vermitteln:

    Überall im Kosmos gibt es kostbare Edelsteine.
    Und sie sind auch in jedem von uns.

    Ich möchte dir eine Handvoll davon schenken, lieber Freund.
    Ja, heute Morgen möchte ich dir eine Handvoll schenken,
    eine Handvoll Diamanten, funkelnd von morgen bis abends.

    Jede Minute unseres Lebens ist ein Diamant,
    der den Himmel und die Erde erhält, den Sonnenschein, den Fluss.
    Wir müssen einfach nur sanft und achtsam atmen,
    dann wird sich uns das Wunder zeigen: Vögel singen, Blumen blühen.
    Hier ist der blaue Himmel, hier treiben Wolken.
    Dein allerliebster Blick, dein schönes Lächeln.
    All dies ist in einem Juwel enthalten.

    Du bist der reichste Mensch auf Erden
    und benimmst dich wie ein notleidender Sohn.
    Bitte tritt dein Erbe an.
    Lass uns einander Glück schenken und lernen
    im gegenwärtigen Moment zu weilen.
    Lass uns das Leben liebevoll in unseren Armen halten
    und unsere Unachtsamkeit und Verzweiflung loslassen.

(Thich Nhat Hanh – aus dem Buch „Versöhnung mit dem inneren Kind“)

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Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!

    „Sag nicht, daß ich morgen abreisen werde,
    denn ich komme auch heute noch an.

    Betrachte es ganz tief: Jede Sekunde komme ich an,
    sei es als Knospe in einem Frühlingszweig
    oder als winziger Vogel mit noch zarten Flügeln,
    der im neuen Nest erst singen lernt.
    Ich komme an als Raupe im Herzen der Blume
    oder als Juwel, verborgen im Stein.

    Ich komme stets gerade erst an, um zu lachen und zu weinen,
    mich zu fürchten und zu hoffen.
    Der Schlag meines Herzens ist Geburt und Tod
    von allem, was lebt.

    Ich bin die Eintagsfliege,
    die an der Wasseroberfläche des Flusses schlüpft.
    Und ich bin auch der Vogel, der herabstürzt, um sie zu schnappen.

    Ich bin der Frosch, der vergnüglich im klaren
    Wasser eines Teiches schwimmt.
    Und ich bin die Ringelnatter,
    die in der Stille den Frosch verspeist.

    Ich bin das Kind aus Uganda, nur Haut und Knochen,
    mit Beinchen so dünn wie Bambusstöcke.
    Und ich bin der Waffenhändler,
    der todbringende Waffen nach Uganda verkauft.

    Ich bin das zwölfjährige Mädchen,
    Flüchtling in einem kleinen Boot,
    das von Piraten vergewaltigt wurde
    und nur noch den Tod im Ozean sucht.
    Und ich bin auch der Pirat,
    mein Herz ist noch nicht fähig,
    zu erkennen und zu lieben.

    Ich bin ein Mitglied des Politbüros
    mit reichlich Macht in meinen Händen.
    Und ich bin der Mann, der seine „Blutschuld“
    an sein Volk zu zahlen hat
    und langsam in einem Arbeitslager stirbt.

    Meine Freude ist wie der Frühling.
    So warm, daß sie die Blumen auf der ganzen Erde
    erblühen läßt.
    Mein Schmerz ist wie ein Tränenstrom.
    So mächtig, daß er alle vier Meere ausfüllt.
    Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
    Damit ich all mein Weinen und Lachen
    zugleich hören kann.
    Damit ich sehe,
    daß meine Freude und mein Schmerz eins sind.

    Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
    Damit ich erwache!
    Damit das Tor meines Herzens von nun an offen steht,
    das Tor des Mitgefühls.“

(Thich Nhat Hanh – aus dem Buch „Zeiten der Achtsamkeit“)

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