Schon wieder die Liebe

Die Liebe und ihre Gesichter

Andrea Gardner - Ändere deine Worte und du änderst deine Welt

Paul hat den Sonntagabend mit Paula auf der Couch verbracht. Statt des „Tatort“ haben die beiden im Zweiten einen Liebesfilm angeschaut, als Paula sagt: „Schatz, wir müssen reden„. Paul steht sofort unter Strom, packt in Gedanken schon einen Koffer mit nötigsten Dingen …

Das Magazin VISIONEN beschäftigt sich in der Mai-Ausgabe mit dem „Lebenselexier Liebe“. In den Beiträgen geht es um verschiedene Sichtweisen auf den scheinbar so unergründlichen und oft strapazierten Begriff und die Vorstellung von „Liebe“. Es geht um Versuche, etwas zu erklären, was nicht erklärbar ist, was annähernd in Versen beschrieben oder in den Religionen und mystischen Traditionen als Erfahrungsweg gelehrt wird: Liebe ist.

    Berauscht sind wir, doch nicht vom Rebenwein,
    Aus allem, was erdacht, sind wir entrückt.
    “ (Rumi)

Was am Sonntagabend bei Paula und Paul passiert, zeigt eine Momentaufnahme einer alltäglichen Beziehung zwischen zwei Menschen, die romantische Liebe als Paar leben möchten. Verlangen, Bedürftigkeit, Hoffnung und Mangel haben sich manifestiert und offenbart. Dies kennt wohl jeder Mensch, und wir bezeichnen es allgemeinhin als Liebe. – Der Wunsch nach Verbundenheit durch Ausgleich von Verlangen, Bedürftigkeit und Mangel, der Erfüllung von Hoffnung birgt die tiefe Sehnsucht zweier Menschen nach Glück im Paarsein und Einswerden. Ganz pragmatisch folgen wir Menschen außerdem biochemischen Impulsen, auch um unsere Spezies zu erhalten.

Diese Sehnsucht nach der Liebe zu zweit scheint wirklich stark zu sein. Unsere Gesellschaft bedient diese Sehnsucht, wonach das Verliebtsein und Paarsein notwendig erscheinen, weil ohne eine „andere Hälfte“ etwas zu fehlen scheint. Unzählige Bücher über die Liebe und als Beziehungsratgeber, Single- und Datingbörsen im Internet, „Speed-Dating“ in Kneipen, „Ü-Partys“ für alle Altersgruppen, um „die Liebe zu finden“. – Im Buch von Andrea Gardner „Ändere deine Worte und du änderst deine Welt“ – geht es um das Erkennen unserer Motive und Illusionen in Bezug auf die Liebe in Paar-Beziehungen. Um das Vermeiden, was uns nicht passt und was wir mit unserem Bindungswunsch (oder unserer Flucht vor uns selbst) überwinden möchten – oder glauben, überwinden zu können.

    Liebe ist kein Gefühl,
    Liebe ist deine wahre Existenz,
    sie ist das, was du bist

    (Sri Sri Ravi Shankar)

Jenseits von Verlangen, Bedürftigkeit und Mangel – Liebe ist

Jenseits der Illusion, dass ein anderer Mensch unseren Mangel, unsere Sehnsucht ausgleicht, liegt der Urgrund unseres Seins, der Liebe ist. Bedingungslose oder universale Liebe, die alles verbindet, sie wird auch als das Göttliche in uns beschrieben. Sie findet in drei Weltreligionen Ausdruck in der Liebe zwischen Gott und den Menschen durch das Hohelied der Liebe im Judentum, im Brief des Paulus an die Korinther im Christentum und in der Liebeslyrik von Rumi im Sufismus als mystischer Kern des Islam.

Im Hinduismus ist die Liebe das Ewige, die Verschmelzung mit Brahman, dem unsterblichen und überpersönlichen Kern des Menschen und des gesamten Seins. Die Wege zu dieser Einheit finden Ausdruck unter anderem im „Gesang des Glückseligen„. – Auch im Buddhismus ist die Liebe die Essenz allen Seins, wenn auch in einer sehr abstrakt erscheinenden Einstellung, wie Christian Salvesen in seinem Buch „Liebe – das Herz aller Weltreligionen“ schreibt. Er sieht im Herz-Sutra aus der Lehre des Buddha das „zentrale Liebeslied„.

Fülle und Freiheit – Mitgefühl und Nächstenliebe

Aus dieser Sicht auf die Liebe stehen nicht mehr, wie bei der romantischen Liebe, Personen im Mittelpunkt, sondern die Liebe selbst ist Subjekt – Liebe ist, nicht an Raum und Zeit, nicht an andere Menschen gebunden, nicht zu fordern und nicht zu beweisen. – Im Buddhismus macht Liebe als Beziehung keinen Sinn, denn nach der Lehre des Buddha sind „Ich“ und „Du“ nicht wirklich, sondern die Welt in Wahrheit nur ein Traum. Das mag zunächst sehr ernüchternd und unromantisch klingen, und die ganze Ich-suche-nach-Mister-Right-Industrie würde keine Umsätze mehr erzielen. Bei näherer Betrachtung in Kontemplation und Meditation zeigt sich diese Liebe als unerschöpfliche Fülle und Freiheit und Weg zu Mitgefühl und Nächstenliebe, als Vollkommenheit der Weisheit, zu der wir als Menschem im Grunde fähig sind: Gate gate paragate parasamgate bodhi svaha. („Gegangen, gegangen, hinüber gegangen, gemeinsam vollkommen hinüber gegangen zum Ufer der Nicht-Zweiheit, der Erleuchtung. Sei es zum Wohle aller.„)

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