Sind wir wirklich derart verblödet ?

Das Volk der Dichter …

Anfang der 1980-er Jahre (?) frug das Magazin stern auf dem Titelblatt, ob aus dem „Volk der Dichter“ ein „Volk von Idioten“ geworden sei. – Leider ist die betreffende stern-Ausgabe inzwischen bei mir nicht mehr vorhanden. Und die Suche danach im Internet blieb ohne Erfolg. Der Titel war damals, wenn ich das richtig erinnere, als Frage formuliert, sinngemäß „Das Volk der Dichter – ein Volk von Idioten?„.

Wir amüsieren uns zu Tode

Die stern-Ausgabe fiel zusammen mit dem Beginn der Ära Kohl, und der stern-Artikel hatte – rückblickend – prophetische Züge. Die Ära Kohl (1982 bis 1998) brachte unter anderem die Liberalisierung und Kommerzialisierung des Rundfunks in Deutschland. Die USA waren hier um Jahre voraus gewesen, und Neil Postman veröffentlichte bereits 1985 „Amusing Ourselves to Death„. Die deutsche Ausgabe dieses Buches von Neil Postman erschien 1988 mit dem Titel „Wir amüsieren uns zu Tode„. – Damit war im Grunde auch schon die Frage aus dem stern-Titel entsprechend beantwortet …

Unterhaltung und Nachrichten mit Leid und Peinlichkeiten

Was uns diverse Privat-TV-Sender seit ihrem Start als „Unterhaltung“ und „Nachrichten“ angeboten haben und immer noch anbieten, ist das Ergebnis der Nachfrage einer anscheinend extrem verblödeten und gelangweilten Gesellschaft. Wir erheben sogenannte CastingReality– und Urwaldshows, ergötzen uns an Peinlichkeiten und Leid von dort agierenden und vorgeführten Menschen. Und fühlen uns in dieser betäubten Langeweile offenbar wohl und gut.

Sicher war die damalige Bezeichnung unserer Gesellschaft als „Volk der Dichter“ überzogen, und ein „Volk von Idioten“ war ebenso unzutreffend (aber provokant genug, dass der stern-Artikel damals engagiert diskutiert worden war). Der stern-Artikel zeigte aber auf, wohin wir abdriften würden, wenn die planmäßige Verdummung unserer Gesellschaft durch bestimmte Medien erst einmal in vollem Gange wäre.

Licht und Schatten nach der Ära Kohl

Auch vierzehn Jahre nach der Ära Kohl sind deren Auswirkungen präsent, tumbe Welt- und Menschenbilder noch in den Köpfen. Aber, wo es Schatten wirft, muss schließlich auch Licht sein. Mit dem Internet begann Ende der 1990-er Jahre eine Veränderung in der Gesellschaft durch offenere Strukturen der Information und Kommunikation. So können heute im Jahr 2012 Menschen mithilfe des Internet kritisch überprüfen, was die Mächtigen dieser Welt tun (und unterlassen).

Hermann Benjes - Silvio GesellOb es ein Ex-Verteidigungsminister war, der so gerne einen Doktortitel für sich reklamiert hätte, ein noch amtierender Bundespräsident dem Amt schadet, angebliche Notwendigkeiten einer „Euro-Krise“ zu Lasten der Menschen, skandalöse Zustände in der Lebensmittel- und Pharma-Industrie und der Finanzwirtschaft – dies wird alles nicht zuletzt durch interessierte und engagierte Menschen im und über das Internet kritisch begleitet. Ich kann also die Eingangsfrage, „Sind wir wirklich derart verblödet?“ mit „im Prinzip ja, aber es gibt Hoffnung“ beantworten.

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