Stille

Jeden Tag in Stille sein

Ausschnitt Chinesische Brücke

Die Leitfrage des Lebens lautet, so nicht nur bei dem Zen-Meister Hinnerk Polenski,
Wer bin ich?“ – Dumme Fragen gibt es ja bekanntlich nicht …

Wer sich diese Frage, Wer bin ich? jetzt mal schnell beantworten möchte, kommt unweigerlich ins Grübeln und merkt wahrscheinlich, die Antwort zu finden, das könnte dauern. Vor allem, wenn wir der Frage das Wort wirklich noch hinzu fügen,
Wer bin ich wirklich?„.

Nach dem Philosophen René Descartes heißt es und glauben wir oft, „Ich denke, also bin ich“ – Ist das wirklich so? Wer oder was sind wir denn? Was denken wir, zu sein?

    Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, wird von unserem Geist erschaffen. Auf jedes Wort, auf jede Tat, die durch einen reinen Gedanken hervorgebracht wird, folgt Freude, so wie dein Schatten dir folgt, untrennbar.“ (Siddhartha Gautama, Shakyamuni Buddha)

Wissen und die Sinnkrise mit Konzepten und Vorstellungen

Wir sind Kaufmann, Managerin, Vater, Mutter, Ehepartner, Freundin, Kind, Schülerin, usw. – und bilden damit doch nur, wenn wir genau überlegen, einen Teilaspekt in Begriffen ab.

Wie Dinge und Beziehungen funktionieren, lernen wir von Kindesbeinen. Später wissen wir dann von vielen tausend Dingen, haben uns Konzepte und Vorstellungen angeeignet, haben glückliche und leidvolle Beziehungen zu anderen Menschen. – Die Antwort darauf, wer wir eigentlich sind, die sagt uns aber niemand, nicht einmal die Menschen, die uns lieben, die uns nahe sind. Weil auch diese Menschen es nicht wissen können und nur Ausschnitte von uns sehen, die liebevolle Mutter, den treuen Ehemann, die fleissige Schülerin, das brave Kind, usw..

Für Zen-Meister Hinnerk Polenski ist diese Frage allein „Wer bin ich“ von großer Wichtigkeit für unsere Zivilisation, die in einer Sinnkrise steckt – und damit für jeden Menschen. Eine Sinnkrise bei allem vermeintlichen Überfluss, den uns insbesondere die westliche Welt anzubieten scheint.

Dieses unbestimmte Gefühl – Traurigkeit

Immer mehr Menschen sind getrieben, und immer mehr Menschen resignieren, spüren eine Traurigkeit, und wir wissen nicht wirklich, warum das so ist. Es ist so ein unbestimmtes Gefühl, das wir nicht wirklich kommunizieren können. – Aber genau darin, in dieser Unbestimmbarkeit liegt die Chance. Denn die Antwort auf die Frage „Wer bin ich“ ist längst in uns selbst, allerdings überdeckt von all den Konzepten, begrifflichem Denken und Vorstellungen, mit denen wir das Leben im Außen „meistern“, mit denen wir unsere Aufgaben und Rollen, die Erwartungen anderer Menschen angefüllt haben.

    Die Trägheit des westlichen Menschen besteht darin, dass er sein Leben derart mit fieberhafter Aktivität anfüllt, dass ihm keine Zeit mehr bleibt, sich mit den wahren Fragen auseinander zu setzen.“ – Sogyal Rinpoche

Wenn wir uns in den Situationen des Lebens mit all seinen Anforderungen befinden, sehen wir nicht, wer wir sind. – Aber wir können sehen, wer wir nicht sind. Das macht uns zuweilen traurig. Gerade diese Traurigkeit aber zeigt uns den Weg zur tiefen Sehnsucht, die manchmal in uns hochkommt, wenn wir in der Stille sind, das Denken für Momente anhalten.

Sehnsucht leuchten lassen – Jeden Tag Raum nur für uns

Wenn wir uns jeden Morgen einen Raum für uns schaffen, in dem niemand ist außer uns, kein Kind, kein Ehepartner, kein Arbeitgeber, kein Radio, keine Tageszeitung, nur wir selbst, darf unsere Sehnsucht aufleuchten. Sie darf erzählen von der Schönheit des Lebens, was heilsam und unheilsam ist – und wir sind nur für uns in der Stille. In diesem morgendlichen Raum dienen wir zuerst uns selbst und damit dann auch allen anderen Menschen, mit denen wir in Beziehungen leben. Wir gelangen so in unser Innerstes, in unser Zentrum: Bleibt also die Antwort auf die Leitfrage „Wer bin ich?.

Denn wir sind es selbst

Ohne hier näher auf die buddistische Erkenntnis des Nicht-Selbst, der Ichlosigkeit oder Intersein (der wechselseitigen Verbundenheit, Thich Nhat Hanh) einzugehen. Wenn wir von der Frage nach dem Wer bin ich? getragen werden und wir uns den Raum und das Recht nehmen, jeden Tag in Stille zu sein, wird sich uns das Leben offenbaren.

Ich bin das Licht, ruhe in mir selbst und sonst nichts

Wir werden erkennen, dass wir niemals gelebt haben, dass uns niemals ein Frühlingswind geküsst hat. Denn jetzt verstehen wir wirklich, was Leben, Geist und Herz bedeuten – denn wir sind es selbst.

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