Vertrauen und Hingabe

Mit Geist und Herz auf dem Weg zum inneren Licht der Freude

Ayya Khema – Vertrauen, Liebe, Hingabe und Dankbarkeit

Hörbuch Ayya Khema

In den westlichen Gesellschaften werden die Begriffe Vertrauen, Hingabe und Liebe meistens in Verbindung und in Beziehungen zu anderen Menschen benutzt. – Im Dhamma (Pali) / Dharma (Sanskrit), der Lehre des Buddha, sind sie Bestandteil der Überwindung des Ego auf dem spirituellen Pfad zum Erwachen.

    Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens,
    was will ich damit anfangen
    ?
    “ – Ayya Khema

Was der historische Buddha Shakyamuni vor gut 2.500 Jahren in Jahrzehnten erfahren, praktiziert, gelehrt und schließlich als ultimative Wahrheit, als Daseinsgesetz erkannt und verkündet hat, lässt sich in einem Blog-Beitrag nur in allerkleinsten Portionen beschreiben. – Die Lehre des Buddha ist ein Erfahrungsweg, auf dem Theorie und Wissen die Erfahrung in der Praxis etwas unterstützen können.

Auf uns selbst zurück geworfen

Auf den ersten Blick mag uns die Lehre des Buddha unbequem und ungemütlich erscheinen. Weil sie nichts mit Glauben zu tun hat, wie wir dies von der Religion her kennen mögen. Die Lehre des Buddha ist der Erfahrungsweg zu unserer wahren Natur, zur ultimativen Wahrheit, die nur wir, jeder Mensch für sich – bestenfalls – erleben und erkennen kann.

In westlichen Kulturen und Gesellschaften mögen wir „sowas“ irgendwie nicht wirklich, weil es uns auf uns selbst zurückwirft. Wo wir doch gerne im Außen suchen, gerne ein Rezept hätten für dauerhaftes Glück und ewige Liebe. – Ein Rezept für die Illusion, nach der wir dies und das tun, damit sich die äußere Welt uns gegenüber so oder so verhalten möge.

So mühen wir uns schon als Kinder um Anerkennung und später um beruflichen Erfolg, um gesellschaftlichen und sozialen Status. Wir konsumieren Dinge und leben Beziehungen, suchen auch im Urlaub die Ablenkung und Zerstreuung. – Nichts davon ist von Dauer, nichts davon können wir festhalten, und tief im Innnern wissen wir das auch. Es repräsentiert eine Urangst der Vergänglichkeit in uns. Hierüber hielt die Ehrwürdige Ayya Khema 1995 nachfolgenden Vortrag über die Vergänglichkeit der äußeren Phänomene und unserer eigenen Vergänglichkeit:

Wenn wir uns die Frage stellen, was uns wohl im Wege stehen mag, um die ultimative Wahrheit, die tiefe innere Freude, das wahre Glück zu finden, müssen wir wohl unser Ego, unsere Ich-Bezogenheit überwinden. Dies hat der Buddha seinerzeit angesichts des Leids und Leidens in ihm und um ihn herum getan und den Menschen als Dhamma hinterlassen. Allerdings mit dem Hinweis, ihm nicht blind zu folgen, sondern die Aspekte seiner Lehre selbst zu untersuchen und zu überprüfen.

Eine andere Sicht auf die Dinge wagen

Das ist mit einem Wechsel der Perspektive verbunden und verlangt uns zuvor eine Bestandsaufnahme ab. Ob wir nämlich wirklich glücklich sind, oder ob da tief in uns etwas ist, was uns Angst macht, was uns unzufrieden oder traurig sein lässt. Dies ist für jeden Menschen zunächst eine höchstpersönliche Angelegenheit – und jeder Mensch wird da etwas finden.

Daraus ergibt sich dann die Entscheidung, ob es so weiter gehen oder eben überwunden werden soll. Bei der Entscheidung, die Angst, die Unzufriedenheit oder die Traurigkeit zu überwinden, sind wir dann natürlich nicht zwangsläufig bei der Lehre des Buddha. In unserer Lifestyle-Kultur kursiert eine Unmenge von Glücklichsein-Rezepten in Zeitschriften und Büchern, mit Methoden, Seminaren und Coachings. – Oder gar eine neue Partnerin, ein neuer Partner, eine andere Arbeit, das neue Auto, ein Kurzurlaub oder andere äußere Dinge sollen möglicher Weise kurzfristig Erleichterung bringen. Eine solche Erleichterung ist dann zumeist auch nur von kurzer Dauer.

Exkurs zur persönlichen Liebe

Den Begriff Liebe verbinden wir oft mit Zweisamkeit, der Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen als Paar. Diese Liebe verbinden wir mit Romantik, mit gegenseitigen positiven Gefühlen, vielleicht auch mit Verantwortung. Bei tiefer Betrachtung ist diese persönliche Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen niemals rein sondern mit Ängsten besetzt, mit Haben-Wollen und Gebraucht-werden-Wollen. Und dem unschönen Gefühl der Idee des Verlustes, weil wir im Innnern wissen, dass nichts bleiben wird.

Deshalb entwickeln wir Ängste, dem anderen wirkliches tiefes Vertrauen entgegegen zu bringen, und auch wirkliche Hingabe und tiefes Verständnis gestalten sich schwierig. Denn wir sind auch in der persönlichen Liebe auf Resultate und Haben-Wollen aus. – Das Positive an dieser Form der Liebe ist, dass wir einen Geschmack davon bekommen, wie sich die universelle, die bedingungslose, die allumfassende Liebe, über die der Buddha lehrte, verwirklichen könnte.

Entscheidung und lebenslange Aufgabe – Vertrauen

Entscheiden wir uns, die Lehre des Buddha überprüfen, untersuchen zu wollen, wird uns eine Lebensaufgabe erwarten. Denn mit einem schnellen Rezept funktioniert es nicht, unsere höchstpersönliche Unzufriedenheit (Dukkha) erst einmal zu erkennen und dann überwinden zu wollen. Unter dem Begriff der Unzufriedenheit – Dukkha (Pali) – ist alles zu verstehen, was wir haben wollen, aber nicht erlangen (können) und ebenso alles, was wir haben, aber nicht haben wollen. Dukkha ist ein zentraler Begriff im Buddhismus und umfasst alle Aspekte von Verlangen, Anhaften, Ego und Ablehnung als Ursache des Leidens.

Die Ehrwürdige Ayya Khema, buddhistische Nonne und Meditationsmeisterin, erklärt Dukkha in ihrer unnachahmlichen direkten Art im nachfolgenden Vortrag:

Mit dem Erkennen des Dukkha in uns werden wir uns wieder entscheiden müssen. Ob wir den zunächst doch sehr ungewöhnlich und schwierig anmutenden Weg der Überwindung gehen wollen. Uns wird nicht allzuviel abgenommen auf diesem Weg. Allerdings gibt es auch vielfältige Unterstützung und Ermutigung, sobald Vertrauen entwickelt ist.

Hilfreich für die Entwicklung des Vertrauens sind Gespräche mit praktizierenden Buddhisten, Vorträge und Bücher von Lehrerinnen und Lehrern (Ayya Khema, Pema Chödrön, Thich Nhat Hanh, Sogyal Rinpoche, Dalai Lama, Jack Kornfield, Hinnerk Polenski, Han Shan, Lama Ole Nydal und andere) verschiedener buddhistischer Schulen und Traditionen (Theravada, Hinayana, Mahayana, Zen, Vajrayana, Nyingmapa, Shingon und weitere).

Einklang von Wissen und Emotionen – Erste Praxis-Erfahrung

Bei der Entscheidung und der Entwicklung des Vertrauens spielt der Einklang von Geist (Theorie und Wissen) und Herz (Emotionen) eine wichtige Rolle. Dieser Einklang ist ein erster größerer Schritt auf dem Weg zum Erkennen und der Überwindung des Dukkha. Die ersten Erfahrungen der Praxis, Übungen der Achtsamkeit und Meditation werden dieses sich entwickelnde Vertrauen wahrscheinlich stärken – oder zu der Erkenntnis führen, dass der „Buddha-Weg“ doch (noch) nicht passt.

Ist das Vertrauen in den spirituellen Weg des Dhamma gefestigt, wird sich wahrscheinlich eine tiefe Hingabe entwickeln. Wobei der Begriff der Hingabe in unserer allgemeinen westlichen Terminologie durchaus „falsch verstanden“ werden kann als „blindes Vertrauen“. Die Hingabe zum Dhamma ist jedoch immer eine höchstpersönliche Angelegenheit, die sich im Innern entwickelt, egal, wie sich die äußeren Umstände präsentieren.

Auf der Ebene unseres Geistes können wir also noch so viel Theorie und Wissen über die Lehre des Buddha sammeln und anhäufen – wenn das Herz unbeteiligt bleibt, können Vertrauen und Hingabe keinen Raum in uns einnehmen. – Und die Lehre des Buddha wird dort abgespeichert, wo schon so viel oft unnötiges Wissen über Methoden und Konzepte für unser Leben und unsere Lebensführung folgenlos abgelegt ist und bleibt.

Funken des Glücks im Augenblick

Durch erstes Erleben der Praxis der Achtsamkeit und Meditation werden wir mit der Zeit für Augenblicke eine tiefe wohltuende Stille bemerken, weil die Gedanken in den Hintergrund treten, unser Denken ausgeschaltet ist. In diesen Augenblicken verbinden wir uns sozusagen mit unserer wahren Natur, erkennen wahre Schönheit, spüren tiefen Frieden und erleben unbeschreibliches Glück. Diese Funken im Augenblick werden uns wahrscheinlich bestärken, auf dem „richtigen Weg“ zu sein. Selbst wenn wir uns erst auf dem „Weg zum Weg“ der Verwirklichung im Sinne des Buddha befinden.

Es werden wohl auch immer nur Funken im Augenblick bleiben, denn die Lehre des Buddha ist eine Lebensaufgabe. Wir sind nur Menschen und werden uns immer mit uns selbst und der äußeren Welt auseinander setzen müssen. Und dabei immer wieder auf Aspekte des Dukkha stoßen, auf Unheilsames. Allerdings können wir in der Praxis einüben, das Unheilsame in Heilsames zu wandeln. Dabei wird es kaum genügen, immer nur dann zu praktizieren, wenn uns gerade wieder etwas in uns oder außerhalb von uns stört. Sondern die Praxis sollte tagtäglich erfolgen und „in Fleisch und Blut übergehen“, wie wir das ja in anderen Lebensbereichen auch getan haben und weiterhin tun.

Tiefe Dankbarkeit spüren, bedingungslose Liebe entfalten

Mit der Zeit der Praxis werden wir eine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Lehre des Buddha spüren, weil uns unser Leben im Alltag leichter vorkommen wird. Weil wir vormals unliebsame Gedanken und Gefühle schon in ihrer Entstehung erkennen und bestenfalls frühzeitig werden wandeln können. Wir werden uns immer besser vom Haben-Wollen und von Ablehnung befreien, unsere Fähigkeit zur universellen, bedingungslosen Liebe entwickeln und entfalten können.

Die Ehrwürdige Ayya Khema hat in ihrem Vortrag über Vertrauen, Liebe, Hingabe und Dankbarkeit wichtige Aspekte der Lehre des Buddha erklärt. Sie hatte es wahrlich verstanden, die Lehre aus dem Fernen Osten für die Menschen in westlichen Kulturen transparent darzustellen. Und zwar immer mit dem Hinweis, dass alle Theorie Schall und Rauch sei, wenn nicht auch die Praxis der Läuterung von Geist und Herz eingebunden wird.

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