Weise Rede nach dem Buddha

Die sechs Leitlinien weiser Rede

Wie wir mit Fürsorge und Weisheit kommunizieren

Depth of Field

Depth of Field – © Toby Charlton-Taylor/flickr

Es gibt einen Kinderreim: „Stöcke und Steine können meine Knochen brechen, aber Worte werden mich nie verletzen.

Ah, das stimmt nicht wirklich. Oft sind es Worte – und der Ton, der mit ihnen verbunden ist – die in der Tat den meisten Schaden anrichten. Denk einfach an einige der Dinge zurück, die im Laufe der Jahre zu dir gesagt wurden – besonders die Dinge, die mit Kritik, Hohn, Beschuldigung, Wut, Ablehnung oder Verachtung gesagt wurden – und die Wirkung, die sie auf deine Gefühle, Hoffnungen und Ambitionen und dein Selbstgefühl hatten.

Wörter können verletzen, weil sich die Netzwerke im Gehirn, die für emotionalen Schmerz zuständig sind, mit den Netzwerken für körperlichen Schmerz überlappen. (Die Wirkungen dieser Verbundenheit geht in beide Richtungen. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass soziale Unterstützung die wahrgenommene Intensität von körperlichem Schmerz reduziert, und dass – bemerkenswerterweise – die Verabreichung eines Schmerzmittels das unangenehme Gefühl der sozialen Ablehnung reduzierte.)

Neben ihren vorübergehenden Wirkungen können diese Verletzungen andauern – sogar ein ganzes Leben lang. Die Reste von verletzenden Wörtern sinken tief in die emotionale Erinnerung ein und werfen lange Schatten auf die innere Landschaft unseres Geistes.

Schütze Dich vor verletzenden Worten anderer

Eine solche Sprache kann eine Beziehung für immer verändern. Denk nur an die Welleneffekte von Dingen, die zwischen Eltern und Kindern, Geschwistern oder Schwiegereltern gesagt wurden. Oder zwischen Freunden. Ein Freund von mir kritisierte mich einmal moralisch, weil wir politisch anderer Meinung waren. Wir haben versucht, uns auszusprechen, aber die Tatsache, dass er gezeigt hatte, dass er wirklich so weit gehen konnte, brachte mich dazu, dass ich etwas Abstand nahm. Wir sind immer noch Freunde, aber unsere Beziehung ist nicht mehr so eng, weil ich bestimmte wichtige Themen meide.

Tu also alles, was möglich ist, um dich vor verletzenden Worten anderer zu schützen. Vermeide sie gleich zu Anfang, indem du mit anderen wenn möglich „über das Sprechen sprichst“ (teile vielleicht die Hinweise weiter unten). Wenn das nicht möglich ist, versuche den zugrunde liegenden Schmerz und die Bedürfnisse zu sehen, die den anderen veranlasst haben könnten, „sich gehen zu lassen“, sieh die Worte in einer größeren Perspektive, wende dich den Ressourcen in dir selbst und deinen wahren Freunden zu, und verändere die Größe oder Natur der Beziehung, wenn das angemessen (und möglich) ist.

Und du selbst, sprich weise – weil du viel mehr Einfluss auf dich selbst, als auf andere hast.

Ich persönlich habe großen Nutzen aus den sechs Richtlinien gezogen, die der Buddha vor 2.500 Jahren formuliert hat. Du wirst ihre Essenz auch in anderen Traditionen oder Philosophien wiedererkennen – manchmal gar mit den gleichen Worten ausgedrückt.

Die sechs Leitlinien des Buddha

Weise Rede ist:

    wohlmeinend – entsteht aus dem Wohlwollen und nicht aus Boshaftigkeit. Sie ist konstruktiv und zielt darauf ab, den anderen aufzubauen, nicht kleiner zu machen.

    wahr – nicht übertrieben, aus dem Kontext genommen oder aufgeblasen.

    hilfreich – zielt darauf ab, dass die Dinge besser werden und nicht schlechter (auch wenn es eine Weile braucht).

    zeitlich angemessen – nicht von Impulsivität angetrieben. Sie ruht auf der Grundlage, die eine gute Möglichkeit schafft, dass sie wirklich gehört wird.

    nicht verletzend – kann entschlossen, direkt oder intensiv sein. Sie kann falsche Behandlung oder Ungerechtigkeit ansprechen, Wut kann anerkannt werden. Aber sie ist nicht anklagend, gemein, provozierend, respektlos, verächtlich oder spöttisch.

Und wenn möglich wird sie:

    vom anderen Menschen gewollt – wenn sie es nicht hören wollen, dann musst du es vielleicht nicht unbedingt sagen. Aber es wird auch Situationen geben, in denen du für dich selbst sprechen musst, ob der andere es mag oder nicht – und dann ist es wahrscheinlicher, dass es gut geht, wenn du den ersten Leitlinien folgst.

Natürlich gibt es auch die Gelegenheiten, um locker mit anderen zu sprechen, wenn das passend ist. Und realistischerweise argumentieren Menschen manchmal in den ersten Momenten einer Diskussion besonders heftig.

Kommuniziere mit Fürsorge und Weisheit

Aber in wichtigen und schwierigen Interaktionen – oder sobald du bemerkst, dass du zu weit gegangen bist – ist es angemessen, mit Fürsorge und Weisheit zu kommunizieren. Die sechs Richtlinien garantieren nicht, dass der andere Mensch so antwortet, wie du es willst. Aber sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit für ein gutes Ergebnis, zudem wirst du in deinem Herzen wissen, dass du dich selbst unter Kontrolle und gute Absichten hattest – es nichts gibt, für das du dich später schuldig fühlen müsstest.

Reflektiere über die sechs Richtlinien, wenn du darüber nachdenkst, wie du in ein wichtiges Gespräch gehst. Und dann sei natürlich: Wenn du einfach aus deinem Herzen sprichst, gute Absichten hast und immer wieder zu der Wahrheit, so wie du sie erkennst, zurückkehrst, ist es schwer, nicht weise zu sprechen! Wenn das Gespräch hitzig wird, bleibe in weiser Rede gegründet – sei dir im Klaren darüber, dass dein Sprechen deine eigene Verantwortung ist, egal was der andere tut. Wenn du die Richtlinien nicht beachtest, sieh es selbst und kommuniziere es vielleicht auch mit dem anderen.

Kraftvoll und selbstbewusst sprechen

Mit der Zeit und genügend Übung wirst du sehen, dass du „weise redest“ ohne bewusst darüber nachzudenken. Du bist vielleicht überrascht über das kraftvolle, selbstbewusste Sprechen, das mit dem Rahmen der sechs Richtlinien möglich ist. Denke an die bekannten Beispiele Gandhi, Mutter Teresa oder Dr. Martin Luther King.

Und als kleine Anregung an dieser Stelle:

Wie wäre es, wenn du auch wenn du mit dir selbst sprichst, weise Rede praktizieren würdest?

.

Creative Commons Lizenzvertrag Urheber: Arbor Verlag/Rick Hanson

Dieser Artikel stammt von Rick Hanson, Autor des Buches Das Gehirn eines Buddha. Er wurde erstmals auf seiner Website rickhanson.net unter dem Titel Speak wisely veröffentlicht. Übersetzung: Arbor Verlag/Mike Kauschke.

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