Wunschlos

Das Erlangen der inneren Ruhe durch Wunschlosigkeit

Ayya Khema – Das Tor der Wunschlosigkeit

Hörbuch Das Tor der Wunschlosigkeit

Wenn wir einmal keine Wünsche haben, können wir dann glücklich sein? – Wir könnten, aber meistens wollen wir irgendwie nicht. Zur Not basteln wir uns etwas zusammen, um nur nicht in dieser ungewöhnlichen Ruhe bleiben zu müssen. Wir kaufen schnell ein neues Kleidungsstück, buchen wenigstens den nächsten Kurzurlaub, richten Wünsche an unsere Nächsten, plaudern im ewigen small talk mit anderen Menschen …

In der heutigen Zeit, in unserer Gesellschaft müssen wir alles und uns in Bewegung haben. Sonst scheint etwas mit uns und in uns nicht zu stimmen. So wurden und werden die meisten Menschen in unserem Kulturkreis erzogen und konditioniert. Jegliche Ruhe macht uns manchmal sogar ängstlich.

Wenn wir jetzt mal nachdenken, ob es eine Zeit gab, in der wir keine Wünsche hatten und uns dabei gut gefühlt haben, um dann etwas länger bei diesem Gedanken zu bleiben und etwas tiefer gehen: Wir könnten schon mit unserem Verstand in Richtung Einsicht gelangen, dass es einen Geschmack von Glückseligkeit hatte.

Überwindung des Leidens

Für Augenblicke Sein, ohne Haben zu wollen, ist ein kleiner Ausschnitt dessen, was der historische Buddha Shakyamuni in seiner Lehre vom Leiden und der überwindung des Leidens erfahren und gelehrt hat.

In der Dhammapada (Vers 204) wird die Wunschlosigkeit als allerhöchstes Glück beschrieben – Gesundheit als höchster Reichtum, Zufriedenheit als größter Schatz und die Zuversicht als bester Freund. Wunschlosigkeit wird auch als Nibbana (Pali) / Nirvana (Sanskrit) gesehen, welches durch Loslassen (und nicht durch Wollen) erreicht werden kann. Wobei das Loslassen alles einschließt, was wir mögen und nicht mögen, wollen und nicht wollen. Das erscheint „natürlich“ in unserem gegenwärtigen Sein als eine übermenschliche Aufgabe …

Aber, sich hierüber Gedanken zu machen, in der Praxis der Meditation und Achtsamkeit zu erfahren, könnte uns in vielen Bereichen des Lebens dazu bringen, wenigstens einige Wünsche als unnötig zu erkennen und auch ohne weitere Not fallen zu lassen. Das wäre dann ein Schritt auf dem Weg zum Erkennen und zum Aufwachen.

Jeder einzelne Wunsch bringt uns Dukkha

Dukkha ist eines der drei Daseinsmerkmale in der Lehre des Buddha und drückt das Unzufriedensein, das Unerfülltsein in uns aus. Dukkha bedeutet nicht nur Leid, Leiden in Form von Körperschmerz oder Trauer über Verlust, die jeder Mensch leicht erkennt. Dukkha ist in allem, was wir in unserer Existenz als Menschen erleben und ist eng verknüpft mit der Vergänglichkeit. Deshalb werden uns unsere Wünsche und deren Realisierung niemals wirklich erfüllen können. Sondern nur eine momentane Zufriedenheit ermöglichen, die dann ebenso schnell vergehen wird.

So werden wir immer neue Wünsche kreieren, damit das, wenn auch vergängliche Wohlgefühl der Erfüllung möglichst immer präsent bleibt. Unsere Wünsche versetzen uns so in ständige Aufruhr, wobei wir die Wünsche als völlig berechtigt ansehen: „Ich will meine Ruhe„, „Ich will geliebt werden“ und viele weitere Wünsche, mit denen wir uns (und anderen Menschen) Stress bereiten.

Aus dem Stress heraus kommen

Wenn sich die vielen Wünsche nun mal nicht erfüllen, könnten wir wütend, ärgerlich und genervt sein – und die nächsten Wünsche gebären oder vielleicht die Schuld für die Nichterfüllung unserer Wünsche an andere Menschen auslagern. Das alles nützt uns wahrscheinlich gar nichts, denn wir werden immer wieder auf uns zurück geworfen. Deshalb wäre es sicher sinnvoll, zu erkennen, dass viele unserer Wünsche schlicht Verblendung darstellen.

Im täglichen Leben sind ständig Unannehmlichkeiten in uns, auch wenn alles noch so friedlich und schön ist. Allein unsere Körperempfindungen („zu kalt“, „tut weh“) sorgen schon dafür, dass Wünsche in uns aufkommen, uns ständig auf Trab halten. Wir sind nicht vollkommen zufrieden. Die Sinneseindrücke und unsere Bewertungen („hübsch“, „hässlich“, „zu laut“) erwecken weitere Wünsche nach Haben-Wollen oder Loswerden-Wollen. Ein eben noch angenehmes Gefühl ist plötzlich weg. Die erste Reaktion ist oft, wenn wir ehrlich sind, dass ein anderer Mensch daran Schuld trägt. Kein anderer Mensch hat mit unserem Dukkha zu tun, meistens jedenfalls. Alle anderen Menschen sind an sich selbst – und nicht wirklich an uns interessiert.

Wer trägt die Schuld am Dukkha?

Wir könnten auch feststellen, dass wir selbst Schuld tragen an der Nichterfüllung unserer Wünsche. Das ist, ganz nüchtern betrachtet, ebenso ein falscher Schluss. Aber, vielleicht mögen wir es, uns selbst zu bemitleiden. Wir haben dann vielleicht das Gefühl, dass sich jemand, in diesem Falle wir selbst, um uns kümmert. Wir erkennen dabei nicht, dass Dukkha ist. Es gibt niemanden, der es erschafft.

Die nächste nicht wirklich zielführende Einstellung besteht darin, dass wir uns ablenken müssen, um nicht darüber nachzudenken, was uns unser Dukkha beschert. Wir gucken oder hören Nachrichten aus aller Welt und sehen das Dukkha anderer Menschen. Und wir regen uns vielleicht auf, warum niemand etwas gegen diese und jene Missstände unternimmt. Weitere beliebte Ablenkungen sind Zeitungen, Magazine, neue Lebenspartner/-innen, Romane, Telefonieren, Wellness, Bekannte treffen, auf Reisen gehen und so weiter. Dies alles macht uns ja auch aus als Menschen. Wir können das auch alles erklären, wir wollen gesund bleiben, unseren Horizont erweitern, lieben und geliebt und anerkannt werden und uns bilden

Erst Euphorie, dann folgt wieder Unruhe

Veränderungen und Ablenkungen sind heutzutage eine Leichtigkeit. Etwas neues kaufen, etwas neues haben wollen, ob Menschen, Informationen. – Wenn wir das neue dann bekommen, wir die Hoffnung haben, jetzt seien wir „unsere Probleme“ los, geht das Spiel von vorne los, nur verstärkter. Die anfängliche Euphorie wird verfliegen und sich durch Rastlosigkeit und Unruhe ersetzen. Wir werden per se noch unglücklicher – statt dass wir uns mit uns und unserem Geist einmal auseinander setzen. Das Dukkha haben nur wir selbst.

Unsere Ablenkungsmanöver haben auch ihre Berechtigungen, vor allem dann, wenn wir mal derart schlecht zugange sind, dass wir glauben, nicht mehr wirklich heraus zu gelangen. Wenn wir nichts mehr positiv ersetzen können, uns die Kraft fehlt. Dann können wir beim Anblick der Sterne, dem Anblick von Blumen oder dem Hören eines Konzertes Kraft schöpfen, wieder etwas positiver schauen. Die Rettung vor unserem Dukkha ist dies aber nicht.

Unser Dukkha erkennen wollen

Wenn wir unser Dukkha erkennen und zum Tor der Wunschlosigkeit gelangen wollen, sollten wir zunächst unser tägliches Leben achtsam untersuchen und achtsam leben. Die Lehre des Buddha enthält Anweisungen und Methoden, unser Dukkha zu erkennen, anzunehmen und schließlich loslassen zu können.

Ayya Khema hat in ihrem Vortrag: Das Tor der WunschlosigkeitDukkha zu Praxis und Einsicht diesen Aspekt der Lehre des Buddha ausführlich dargelegt und und den Weg zum Tor der Wunschlosigkeit beschrieben.

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